Bilder und Bericht vom Weltgebetstag 2019 "Slowenien"

Rund um die ganze Welt wurde am 1. März 2019 mit einer Liturgie zum Thema "Kommt, alles ist bereit!" gefeiert.

Thema: Kommt, alles ist bereit! 
(aus Slowenien)

am Freitag, 01. März 2019

um 20.00 Uhr im Theodor-Engel-Gemeindehaus in Eschenbach

Weltgebetstag 2019
„Kommt, alles ist bereit!“

Die Gastgeberin des Abends begrüßt mit einem „Guten Abend! Dober dan!“ ihre Gäste an der Tür des Theodor Engel Gemeindehauses in Eschenbach. Es ist der 1. März und überall auf der Welt feiern Menschen Gottesdienste auf der Grundlage von Vorschlägen eines Komitees aus Slowenien. „Herzliche Grüße von den Frauen aus Slowenien, einem der kleinsten und jüngsten Länder Europas. Ein Land voller Naturschönheiten von der Pannonischen Tiefebene bis zu den Hügeln, grünen Wäldern und hohen Bergen; von der geheimnisvollen Unterwelt des Karsts bis hin zur Küste der Adria. Liebe Schwestern, kommt, herein! Alles ist bereit!“
Zwei lange Tafeln sind aufgestellt, die Tische geschmückt, Teller und Weingläser eingedeckt. Die Besucherinnen des Weltgebetstages (WGT) schauen sich erstaunt an: welch eine festliche Tafel! Was erwartet uns heute? Die Gastgeberin klärt auf: „Die Frauen aus Slowenien haben den Text aus dem Lukasevangelium Kapitel 14 Vers 13-24 ausgesucht. Dazu wählten sie die Überschrift: Kommt, alles ist bereit!“ Die Gäste des Abends sind eingeladen, gemeinsam über den Bibeltext nachzudenken. Das Wort Gastfreundschaft wird in den Mittelpunkt gestellt.

Folgende Gedanken werden zusammengetragen: „Wenn ich mich entschieden haben sollte zu einer Grundeinstellung, zu einer Lebenshaltung, die Gastfreundschaft heißt, dann bedeutet das MEHR als die Türe zu öffnen oder einen Menschen zum Essen einzuladen. Gastfreundschaft ist eine Haltung! Wenn Gastfreundschaft zu meiner Lebenshaltung wird, dann gehört es dazu, dass ich bereit bin auf Unerwartetes, Unverhofftes und Überraschendes zu reagieren! Ein unerwarteter Besuch. Eine Bitte um Hilfe. Gastfreundschaft funktioniert nicht nach Berechnung. Gastfreundschaft reagiert auf etwas, das die üblichen Grenzen überschreitet und möglicherweise eine ungewohnte oder peinliche, vielleicht zunächst auch beängstigende, Nähe hervorruft. Gastfreundschaft sprengt die Berechnung und Abwägung.
Jesus sagt im Bibeltext:“ Wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.“ Darauf antwortet ihm einer der Gäste:“ Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf.“ Dieser Gast scheint Jesus falsch verstanden zu haben. Er will frommen smalltalk machen. Es hört sich an, wie wenn dieser Gast denkt: „Mmmmh….ich habe ja schon meinen Platz im Reich Gottes reserviert. Ich brauche da nur ein paar Arme einzuladen. Dann wird mir meine Tat schon vergoldet werden bei der Auferstehung!“
Jesu Antwort auf den Kommentar des Gastes ist ein Gleichnis: das Gleichnis vom reichen Gastgeber. Da sind zunächst die, die der Gastgeber ursprünglich gerne bei sich gehabt hätte: die Grundbesitzer, die Großbauern, die es sich leisten konnten, sich eine Frau zu nehmen, am besten eine gute Partie – eine Verbindung, die ökonomischen Gewinn bringt. Man könnte sagen: der Gastgeber wollte seinen Wohlstand zur Schau stellen, wollte es diesen Leuten aus gehobenem Milieu an nichts fehlen lassen, damit er dazugehört, damit er mitmischen kann, damit seine eigenen Geschäfte gut laufen. Kein Wunder wird er wütend, als er die Absagen hört! In kaufmännischer Logik bestehen die Absagen aus nachvollziehbaren Gründen: da hat sich etwas finanziell mehr gelohnt als dieses Geschäftsessen, die Geschäfte haben sich anderswo abgewickelt. Egal wie: der Gastgeber aus dem Gleichnis bleibt außen vor. Nach dem ersten Zorn besinnt sich der Gastgeber und beauftragt seinen Diener: „Schnell, geh, hol die Armen an meine gedeckte Tafel! Keiner von denen, die ursprünglich eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen!“
Wir Menschen haben ja gerne die Neigung, uns mit jemandem identifizieren zu wollen. In dieser Geschichte könnten wir uns ganz auf die Seite der Gäste stellen. Aber zu welchen Gästen sollten wir halten? Und: wer ist der Gastgeber? Ganz wichtig: Es gibt zwar Erzählungen in der Bibel, auch im Lukasevangelium, in denen GOTT zum Gastmahl einlädt, aber hier, in diesem Gleichnis ist der Gastgeber nicht Gott. Sonst wären ja die Armen die zweite Wahl, die Ersatzgäste, die nur als Lückenbüßer einspringen würden. Und DAS… geht gar nicht! Bei Jesus und auch bei Lukas sind die Armen, die Kleinen, die Ausgegrenzten die Ersten im Reich Gottes. Für sie sind alle Ehrenplätze reserviert von Anfang an. Und wir? Wo gehören wir da hin? Wenn wir auf das Zerbrochene, auf die Scherben in unseren eigenen Leben schauen, dann können wir erahnen, was es heißt, nicht dazu zu gehören! Wie verzweifelt Menschen sein müssen, die auf der Straße landen, die fliehen müssen, die schwer krank sind, Menschen, die allein sind….Wir haben es uns NICHT verdient, sondern es ist einfach Glück, Zufall, bzw. die unerträgliche Ungerechtigkeit, wie Reichtum, Macht, Geld und ähnliches auf dieser Welt verteilt sind. Das Reich Gottes will sich auf der Erde und in unserem HEUTE gründen. Es beginnt, wenn wir aufhören, uns als was Besseres zu fühlen. Das Reich Gottes beginnt, wenn wir all denen von der anderen Seite wirklich auf Augenhöhe begegnen, denn ihre Geschichte könnte genauso gut auch unsere Geschichte sein!
Das Gleichnis geht weiter: das Unglaubliche geschieht! Egal, wie viele von der Straße, von den Grenzen und den Mauern geholt werden, es ist immer noch Platz!
Es ist noch Platz! Das klingt im Deutschland von heute wie eine politische Aussage, und es ist auch eine! Denn, das sind die christlichen Werte, von denen wir immer gerne reden: einen Platz zu geben, denen, die keinen finden!
Die Frauen aus Slowenien rufen uns Menschen in Eschenbach zu: Fangt an und macht Platz! Dann können wir ein Festmahl wie im Reich Gottes feiern. Diese Art von Gastfreundschaft hat nichts mit Alter, Räumlichkeiten oder Geld zu tun. Das wären nur Ausreden. Jesus und die Weltgebetstagsmacherinnen fordern uns zum Umdenken auf.
Gastfreundschaft ist eine Haltung, eine Lebenseinstellung!

Auf den Geschmack gebracht werden wir mit kleinen Häppchen, die aus Holzofenbroten vom Peterhof, gereicht werden. Gemeinsam „proben“ wir wie es ist ein Festmahl zu halten. Wir rücken zusammen und essen die herrliche Gulaschsuppe und die feinen Süßspeisen nach slowenischem Rezept, von den Frauen des Vorbereitungsteams gekocht und gebacken. Wir genießen Wein, Saft und die Gemeinschaft in Eschenbach. Wir freuen uns, dass, mit Carmen Kieler aus Dürnau, eine Frau an unserer Tafel Platz nimmt, die in Slowenien geboren ist. Mit ihrer spontanen Ansprache in slowenischer Sprache hüllt sie uns ein in die Herzenswärme der Menschen dort. Wir danken Frau Kieler für ihr Dabeisein!
Am Ende mag keine von uns wirklich aufstehen und ihren Platz räumen! Das elfköpfige Vorbereitungsteam winkt zum Abschied und meint: „Siehe, wie fein und lieblich ist´s, wenn wir einträchtig beieinander wohnen!“ (nach Psalm 133).

Es waren noch Plätze frei an der großen Tafel in Eschenbach. Seien Sie Gast im nächsten Jahr am 1. Freitag im Monat März und feiern Sie mit uns den Weltgebetstag 2020! Herzlich Willkommen!

Fotos: Angela Halbritter   Text: Johanna Sänger

 

Was ist die größte weltweite ökumenische Bewegung – vielleicht sind Sie ja auch dabei?
Seit fast 100 Jahren gibt es den Weltgebetstag, seit mehr als 60 Jahren wird er in Deutschland gefeiert. Frauen auf der ganzen Welt, in 170 Ländern – und inzwischen auch viele Männer – beten am 1. Freitag im März rund um den Globus. Eine große im besten Sinne globale Bewegung, die schon lange vor den Internetzeiten funktioniert hat.
Weltgebetstag – was passiert da?
Es wird miteinander gefeiert – denn es wird überall die gleiche Liturgie gefeiert, es werden die gleichen Worte gesprochen (in unterschiedlichen Sprachen). Jedes Jahr kommt die Liturgie aus einem bestimmten Land. 
Es verbindet uns die Hoffnung, dass wir ein Leib sind, verbunden miteinander weltweit. Spürbar wird dies jedes Jahr wieder – ganz besonders am ersten Freitag im März – Welt-Gebetstag.
Jedes Jahr wieder ein besonderer Gottesdienst, ein besonderer Abend, der mit Köstlichkeiten aus dem Gastland ausklingt.
Herzlichen Dank an alle, die in Heiningen und Eschenbach immer wieder mithelfen, dass wir in beiden Gemeinden einen schönen Weltgebetstag feiern können.

Weitere allgemeine Informationen zum Weltgebetstag hier >>