Bilder und Bericht vom Weltgebetstag 2017 "Philippinen"

Frau Zoraida Eisele trat in unsere Mitte und erzählte uns von sich, von den Philippinen und von Deutschland.
Rund um die ganze Welt wurde am Weltgebetstag mit einer Liturgie aus den Philippinen gefeiert.

Thema: Was ist denn fair?

(Gerechtigkeit)

am Freitag, 03. März 2017

um 20.00 Uhr im Theodor-Engel-Gemeindehaus in Eschenbach

Wir danken Margarita Röckle-Heß für diese Fotos!

 

Weltgebetstag
in Eschenbach 2017
Titel: „Komm und bleibe! Teil mit uns deine Geschichte…“

„Das ist doch unfair!“
Wie oft hören wir diesen Satz von unseren Kindern! Wie häufig denken wir selber so!
WAS aber tatsächlich UNFAIR ist, davon haben Sie und ich allerhöchstens eine Ahnung!
Frauen und Mädchen auf den Philippinen berichten uns von ihrer Situation im Jahre 2017.
Ihre Lebensschicksale erschüttern uns!
Die Philippinerinnen fragen:
„Ist es gerecht, dass Mädchen aus armen Familien keine Schulbildung erhalten?“
„Ist es fair, dass viele von uns kein sauberes Trinkwasser, keine medizinische Grundversorgung, keine menschenwürdigen Wohnverhältnisse, keine Arbeit haben?“
„Ist es gerecht, dass wir so viele Unwetter abbekommen, die unsere Lebensgrundlagen zerstören?“
„Ist es in Ordnung, dass staatliche Hilfen nach den Taifunen ausbleiben?“
„Darf es zugelassen werden, dass Mädchen und Frauen nach Manila und ins Ausland geschickt werden, um Geld für die Familien zu verdienen? Meist werden sie Hausangestellte und wie Sklavinnen gehalten. Viele enden in der Prostitution.“
„Dürfen wir weiter zusehen, dass Frauen nicht über ihre Rechte Bescheid wissen und niemand sie verteidigt?“
Man möchte sich zurückziehen und sagen: „Es gibt so viel Leid auf der Welt! Was gehen mich die Philippinen an?“
Doch die Frauen lassen nicht zu, dass wir uns herausreden. Sie rufen uns auf, uns mit ihren Lebenssituationen auseinanderzusetzen.
Ein Komitee christlicher Frauen auf den Philippinen fragt uns: „Was ist denn fair?“
Sie haben das Gottesdienstthema und die Gottesdienstordnung für den Weltgebetstag 2017 entworfen.
Seit 1927 feiern christliche Frauen aller Konfessionen den Weltgebetstag in seiner heutigen Form als große, weltweite Basisbewegung.
Und: sie bewegen etwas! Weltweit! Und in unserem kleinen Eschenbach!
30 Frauen lauschen tief berührt dem sehr persönlichen Bericht unseres philippinischen Gastes! Von einem auf den anderen Moment sind die fernen Philippinen so nah!
Frau Zoraida Eisele tritt in unsere Mitte und erzählt uns von sich, von den Philippinen und von Deutschland. Sie macht wahr, was wir im 1. Lied des Gottesdienstes singen: „Komm in den Kreis! Bleibe! Teil mit uns deine Geschichte…“
Ihre Geschichte ist eine Geschichte, die von Familie, Armut, Abschied, Hoffnung und Neuanfang erzählt.
Zoraida wird am Freitagabend zur Botschafterin ihres Landes und ihres Volkes! Durch Frau Eiseles engagierten Bericht verstehen wir leichter, was die Frauen in der Ferne uns sagen wollen: „Setzt euch ein für Gerechtigkeit!“
Eine von uns Frauen aus dem Vorbereitungsteam um Traudel Eitle und Ilse Hof wird im Gottesdienst als Justitia auftreten mit verbundenen Augen und einer Waage in der Hand! Sie wird den Appell wiederholen: „Ihr Frauen, kämpft für die Gerechtigkeit! Lasst eure Schwestern auf den Philippinen nicht im Stich!“
Wir erfahren von einer philippinischen Tradition, die man DAGYAW nennt, und die der Ungerechtigkeit etwas Kraftvolles entgegensetzt, was man GEMEINSCHAFT nennt. Es ist üblich, beim Pflanzen und Ernten von Reis die Nachbarschaft um Hilfe zu bitten. Niemand wird dafür bezahlt, aber alle bekommen etwas von der Ernte.
Unser Gottesdienst und das gemeinsame Essen, Trinken und Reden stehen für das Pflanzen, Ernten und Teilen. Jede Frau nimmt am späten Abend ein Tütchen Reis mit nach Hause als Erinnerung an eine gelungene Gemeinschaft und an die Geschichte vom Weinberg (MT 20, 1-16). Reis – als Zeichen für Gottes befreienden Geist!
In der Nacht klirren die Gläser. „Mabuhay!“ tönt es in der Nationalsprache Tagalog durch den Raum, was auf Deutsch so viel heißt wie:“ Zum Wohl! Hab ein langes Leben!“
Wir verabschieden uns von Frau Eisele: „Zoraida, am Anfang warst du eine Fremde. Nun bist du eine von uns! Wir kennen dich als Kollegin und Mitarbeiterin der Wilhelmshilfe. Du kommst in unsere Häuser und bringst uns dein Lächeln, deine Pflege und deine Wärme! Das tut uns so gut! Heute Abend warst du ein Geschenk für uns Frauen in Eschenbach! Wir danken dir für deine Geschichte! Mabuhay – Willkommen und hab ein langes Leben!“

Text: Johanna Sänger
Fotos: Margarita Röckle-Heß

 

Was ist die größte weltweite ökumenische Bewegung – vielleicht sind Sie ja auch dabei?
Seit fast 100 Jahren gibt es den Weltgebetstag, seit mehr als 60 Jahren wird er in Deutschland gefeiert. Frauen auf der ganzen Welt, in 170 Ländern – und inzwischen auch viele Männer – beten am 1. Freitag im März rund um den Globus. Eine große im besten Sinne globale Bewegung, die schon lange vor den Internetzeiten funktioniert hat.
Weltgebetstag – was passiert da?
Es wird miteinander gefeiert – denn es wird überall die gleiche Liturgie gefeiert, es werden die gleichen Worte gesprochen (in unterschiedlichen Sprachen). Jedes Jahr kommt die Liturgie aus einem bestimmten Land. 
Es verbindet uns die Hoffnung, dass wir ein Leib sind, verbunden miteinander weltweit. Spürbar wird dies jedes Jahr wieder – ganz besonders am ersten Freitag im März – Welt-Gebetstag.
Jedes Jahr wieder ein besonderer Gottesdienst, ein besonderer Abend, der mit Köstlichkeiten aus dem Gastland ausklingt.
Herzlichen Dank an alle, die in Heiningen und Eschenbach immer wider mithelfen, dass wir in beiden Gemeinden einen schönen Weltgebetstag feiern können.